Keine Lehre im Sommersemester 2022

Im Sommersemester ‘22 forsche ich als Fellow am Weizenbaum Institut in Berlin und biete deshalb keine Seminare an.

Meine Sprechstunde findet in dieser Zeit nicht regelmäßig statt. Bitte vereinbaren Sie einen individuellen Termin per Email.


HS Kämpfe um Wissenschafts- und Meinungsfreiheit (Wintersemester 2021/22)

Wir erleben gegenwärtig eine kontroverse politische Debatte über die (angeblichen) Einschränkungen der Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit. Unter den Stichworten “Cancel Culture” und “Political Correctness” wird von meist konservativen Akteuren kritisiert, dass sich die Möglichkeiten des Sag- und Beforschbaren immer weiter einschränken würden. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit hat die allgemeine Debatte um Meinungsfreiheit bezüglich der Wissenschaftsfreiheit konkretisiert und zählt eine Reihe von Fällen auf, in denen die Wissenschaftsfreiheit ungerechtfertigterweise eingeschränkt worden sei. Das Seminar dient der Reflexion dieser Debatte mit dem Ziel, eine kritische Theorie der Wissenschaftsfreiheit zu entwickeln, die einerseits der Notwendigkeit Rechnung trägt, die Pluralität in der Wissenschaft durch diskriminierungskritische Neuregulierungen von Privilegien zu verbessern und andererseits die Pluralität der wissenschaftlichen Ansätze zu bewahren. Im Zentrum stehen dabei die Differenzierungen von Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, von unterschiedlichen Aspekten der Wissenschaftsfreiheit (z.B. personal und systemisch), von objektivistischer und kritischer Wissenschaft, und die Differenzierung und strukturelle Kopplung von Wissenschaft und Politik. Konkrete Fragen der aktuellen Kontroversen, zu denen das Seminar Argumente entwickelt, sind beispielsweise: Ist es gerechtfertigt, in einem offenen Brief zur Ausladung von Kathleen Stock von einer wissenschaftlichen Konferenz aufzufordern, die philosophische Aktivistin gegen Trans*-Rechte ist? (Wie) sollte gegen ein Seminar protestiert werden, in dem Rainer Wendt (Polizeigewerkschafter, der regelmäßig mit politisch rechten Äußerungen auffällt) als Diskutant eingeladen ist? Sollte einem philosophischen Forschungsprojekt, das begründen soll, dass homosexuelle Akte unmoralisch sind, die Wissenschaftlichkeit abgesprochen werden, obwohl es von angesehenen Vertretern des Fachs durchgeführt wird?

Neben diesen Fragen der (angeblichen) Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit geht es sowohl in der aktuellen Debatte als auch im Seminar um eine Analyse der Pluralität aus Studierendensicht: Sind Trigger-Warnungen schädlich? Gibt es so etwas wie eine “linke Hegemonie” in manchen Fächern, die zu politisch einseitigen Diskursen führen, wie in einer aktuellen Studie behauptet? Ist ein Seminar überhaupt der Ort für “viewpoint pluralism” - also einfache Offenheit für alle politischen (und nicht wissenschaftlichen) Positionen -, wie in dieser Studie suggeriert, oder geht es vielmehr darum, im Rahmen spezifischer wissenschaftlicher Theorien zu diskutieren? Kurz: Was bedeutet Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit für Studierende? Eine weitere Ebene ist die Diskussion anderer Arten der Einschränkung von Wissenschaftsfreiheit: Durch fehlende Diversität an den Universitäten, durch befristete Verträge und abhängige Beschäftigungsverhältnisse, durch Drittmittelfinanzierung zur politischen Steuerung von Forschung, und durch direkte staatliche Intervention gegen bestimmte Theorien (wie zuletzt in Frankreich unter dem Schlagwort “Islamo-Gauchisme”, in den USA gegen Critical Race Theory, und in Deutschland bezüglich BDS).

Nach einer einleitenden Sitzung zu den aktuellen Kontroversen folgt ein zweiter Teil zu den theoretischen Grundlagen der Wissenschaftsfreiheit. Danach vergegenwärtigen wir uns die rechtliche und politische Situation in Deutschland und die Diskussion um Einschränkungen auf deutschen Campussen. Im vierten Teil geht es um zwei Kontroversen (TERF, Trigger Warnungen). Die letzte Sitzung ist der kritischen Diskussion ausgewählter, in der Vergangenheit skandalisierter, Einzelfälle, gewidmet.

1) Einführung, 19.10.2021
2) Aktuelle Kontroversen, 26.10.2021
3) Soziologische Grundlagen: Systemtheorie, 09.11.2021
4) Macht und Diskurs: Foucault, 16.11.2021
5) Normativität und Objektivität: Kritische Theorie, 23.11.2021
6) Normativität und Objektivität: Standpunkttheorie, 30.11.2021
7) Ziviler Ungehorsam: Radikale Demokratietheorie, 07.12.2021
8) Lage in Deutschland: Rechtliche Rahmenbedingungen, 14.12.2021
9) Lage in Deutschland: Verfehlte Demokratisierung der Professorenuniversität, 21.12.2021
10) Lage in Deutschland: Freiheit auf dem Campus?, 11.01.2022
11) Kontroversen: TERFs, 18.01.2022
12) Kontroversen: Kritik der Kritischen Theorie, 21.01.2022
13) Kontroversen: Trigger Warnungen, 01.02.2022
14) Diskussion einzelner Fälle, Feedback, 08.02.2022

PS Identity Politics (Wintersemester 2021/22, in English)

Disputes about identity politics shape contemporary political debates. The term “identity politics” was coined in the late 1970s by Black feminists in the United States, where it refers to the political practice of a social group that makes its specific experience of oppression the starting point of resistant politics. Since then, the concept has been used in the struggles for emancipation of various social groups and has been discussed controversially, especially in feminist and postcolonial theory. As a result of the rise of right-wing populist movements and political polarizations in the 2010s, identity politics has become a topic of discussion and criticism among the broader public as well as in the entire social sciences. In these current debates, identity politics is often criticized as separationist and anti-democratic. In view of this topicality, the seminar aims at developing a more nuanced notion of identity politics, engaging with texts in the diversity of identity politics is negotiated with greater complexity than is the case in the current heated debates on identity politics.

The first section asking „What is identity politics” is followed by a section examining current conservative and left-wing criticism against identity politics. The next three sections deal with one contemporary controversy each, discussing identity politics and class politics, struggles about trans* politics, and the metaphysics and politics of race.

1) Introduction, 20.10.2021
2) What is Identity Politics?, 27.10.2021
3) What is Identity Politics?, 03.11.2021
4) Current Critics: Fukuyama & Fraser, 10.11.2021
5) Current Defenses, 17.11.2021
6) Controversies 1: Class and Identity Politics, Fraser, Redistribution/Recognition, 24.11.2021
7) Controversies 1: Class and Identity Politics, Alcoff contra Fraser, 01.12.2021
8) Controversies 1: Bohrer Intersectionality/Marxism, 08.12.2021
9) Controversies 2: Trans and TERF, 15.12.2021
10) Controversies 2: Trans and Race, 22.12.2021
11) Colloquium with Gen Eickers, 12.01.2022
12) Controversies 3: Race, 19.01.2022
13) Controversies 3: Race, 26.01.2022
14) Colloquium with Daniel James, 02.02.2022
15) Workshop on Essays, Feedback, 09.02.2022

HS Standpunkttheorien (Sommersemester 2021 / Online)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, MA Politikwissenschaft

Standpunkttheorien argumentieren, dass unser Wissen in bestimmten Bereichen von unserer sozialen Position abhängt. Sie sind die philosophische Grundlage von politischer Kritik, die mit Bezug auf die soziale Position argumentiert, wie beispielsweise antirassistische oder feministische Kritiken. Zentral ist dabei, die hegemoniale Perspektive der Dominanzkultur, die sich als universell gültig versteht, als partikular zu entlarven und zu zeigen, wie viel ihrem Blick verstellt bleibt. Epistemisch privilegiert, also in der Lage, eine Situation besser zu bewerten, seien hingegen diejenigen, die selbst von sozialen Missständen betroffen sind. Standpunkttheorien sind einerseits ein unverzichtbares Mittel zeitgenössischer Kritik und kritischer politischer Theorie, andererseits sind sie hoch umstritten. In aktuellen feuilletonistischen Kulturkämpfen erhitzen sich die Gemüter genauso an metaethischen Fragen nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit universalistischer Positionen und der potenziellen Gefahr eines Relativismus, der von Standpunkttheorien ausgehe, wie an inhaltlichen Fragen. Und auch innerhalb der theoretischen Linken gibt es Warnungen vor einem “positionalen Fundamentalismus” (Villa Braslavsky), also einer Gleichsetzung der Denkmöglichkeiten mit der sozialen Position. Vor diesem Hintergrund dient das Seminar der intensiven, philosophischen und kritischen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Schulen der Standpunkttheorien. Angefangen bei der feministischen Standpunkttheorie über intersektionale Positionen und neuere Debatten um epistemic injustice und kritisches Weißsein, bis hin zur postkolonialen Kritik des eurozentrischen Universalismus werden wir das Feld sondieren. Bei den Lektüren soll es dabei immer um die Frage gehen, inwiefern die jeweilige Standpunkttheorie informativ für die heutige post-demokratische Situation ist und zu einer “Demokratisierung der Demokratie” beitragen kann. Das Ziel des Seminars ist es, dass die Studierenden eine eigene systematische Position zu den im Seminar diskutierten Problemen entwickeln und sie in der Hausarbeit als wissenschaftlichen Beitrag zu einer aktuellen Debatte ausarbeiten.

  1. Einführung
  2. Sandra Harding
  3. Nancy Hartsock
  4. Patricia Hills Collins
  5. Donna Haraway
  6. Sandra Harding
  7. Charles Mills
  8. Miranda Fricker
  9. José Medina
  10. Shannon Sullivan
  11. Olúfémi Táíwò
  12. Walter Mignolo
  13. Kolloquiumssitzung mit Hilkje Charlotte Hänel


HS Identität und Repräsentation in der Radikalen Demokratietheorie (Sommersemester 2021 / Online)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, MA Politikwissenschaft)

Die radikale Demokratietheorie tritt an, die blinden Flecken der hegemonialen liberalen bzw. deliberativen Demokratietheorie zu korrigieren. Die liberale Schule sieht das Politische als durch vernünftige Aushandlungsprozesse bestimmt und es geht ihr um die möglichst universalistische Begründung von demokratischen Institutionen. Anders die radikale Demokratietheorie: Sie geht davon aus, dass das Politische im Wesentlichen ein Machtkampf ist. Sie versteht das Politische als umstritten und auf kontingenten Grundlagen beruhend, und bestehende institutionelle Ordnungen als notwendigerweise partikularistisch. Politische Ordnung ist demnach das Resultat von antagonistischen Auseinandersetzungen, sie ist die Ordnung der Sieger, die deshalb immer inkludierend für die einen und exkludierend für die anderen ist. Eine universalistische Position könne deshalb niemals erreicht werden, sondern sowohl Ordnungen als auch deren normative Begründungen müssten partikular bleiben. Demokratie und Politik ist für die radikale Demokratietheorie deshalb nicht die Aushandlung in den bestehenden demokratischen Institutionen, sondern die radikale Kritik der institutionellen Ordnung und ihrer Ausschlüsse, mit dem Ziel, sie inklusiver zu gestalten. Diese widerständigen Prozesse sieht die radikale Demokratietheorie als grundlegend für die Vertiefung und Aufrechterhaltung der Demokratie – mithin: für die Demokratisierung der Demokratie. Doch in der aktuellen Forschung radikaldemokratischer Theorie werden zwei Aspekte der Demokratisierung der Demokratie kaum behandelt: Einerseits die Entstehung von politischer Subjektivität in identitätspolitischen Projekten, durch die widerständige Bewegungen überhaupt erst möglich werden; andererseits die Repräsentation von Bewegungen in der politischen Öffentlichkeit und den etablierten Institutionen, die für den Erfolg von Demokratisierungsbemühungen ausschlaggebend zu sein scheint. Das Seminar fragt nach dem systematischen Zusammenhang dieser beiden Pole innerhalb der radikalen Demokratietheorie. Dabei soll die Hypothese untersucht werden, dass partikulare Identitätspolitik notwendig für die Demokratisierung der Demokratie ist. Dies ist auch eine Intervention in aktuelle Debatten um “Identitätspolitik”, von der heute meist behauptet wird, dass ihre Partikularität das gemeinsame solidarische Wir oder die vernünftige demokratische Deliberation – und damit die Demokratie – zersetze. Wir lesen dafür zentrale Autor_innen der radikalen Demokratietheorie, die für unterschiedliche Spielarten stehen: Mit Laclaus und Mouffes „Hegemonie und Radikale Demokratie“ steigen wir in die Diskussion ein. Mit Claude Lefort lernen wir eine tendenziell liberale Spielart der radikalen Demokratie kennen und untersuchen, welchen Stellenwert politische Institutionen und Repräsentation darin einnehmen. Jacques Rancière ist hingegen der wichtigste Vertreter einer anarchistischen Spielart der radikalen Demokratie. Ernesto Laclaus neuere Arbeiten zum Linkspopulismus argumentieren dagegen, dass die Machtübernahme in staatlichen Institutionen wichtig für die radikale Demokratie ist. Zuletzt setzen wir uns mit Etienne Balibar mit der Bedeutung von Citizenship für die Demokratisierung der Demokratie auseinander. Nach diesem Studienteil haben wir vier Sitzungen, in denen Expert_innen für unterschiedliche Spielarten der radikalen Demokratie im Seminar zu Gast sind, mit denen wir jeweils einen Text im Kolloquiumsformat diskutieren.

  1. Einführung
  2. Laclau/Mouffe
  3. Lefort 1
  4. Lefort 2
  5. Rancière
  6. Laclau 1
  7. Laclau 2
  8. Balibar 1
  9. Balibar 2
  10. Kolloquium mit Kolja Möller
  11. Kolloquium mit Benjamin Opratko
  12. Kolloquium mit Manon Westphal


Keine Lehre im Wintersemeser 2020/21

Das Wintersemester 2020/21 ist für mich ein Forschungsfreisemester. Am Zentrum für interdisziplinäre Forschung in Bielefeld werde ich mich in der Arbeitsgruppe Global Contestations of Women’s and Gender Rights dem Nachdenken, Diskutieren und Schreiben zum aktuelle Anti-Genderismus widmen. Konservativen und Rechte versuchen weltweit, gegen die Rechte von Frauen und Queers vorzugehen und Gender-Studies abzuwickeln. Wir entwickeln neue Ressourcen zum Widerstand dagegen.

Mehr Infos: https://www.uni-bielefeld.de/(en)/ZiF/FG/2020Gender/

Ich freue mich, Sie im Sommersemester bei der Lehre in Freiburg wiederzusehen!

Sie können während meines Forschungssemester weiterhin BA- und MA-Arbeiten bei mir schreiben. Die Betreuung erfolgt über Zoom.

Online-Sprechstunden im Corona Semester, Sommer 2020

Liebe Studierende,

ab dem 5.5. findet meine Sprechstunde jeden Dienstag von 12h30 bis 13h30 statt.

Anmeldung
Achtung: Anmeldung nur über Calendly. Schicken Sie bitte keine Emails mit Terminanfragen!

https://calendly.com/karstenschubert


Liberalismus und Liberalismuskritik, 2020 (Sommersemester / Online)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, MA Politikwissenschaft

Das Seminar dient der Diskussion der Kritik am politischen Liberalismus, die das Kerngeschäft der kritischen Theorie aller Couleur ist. Liberalismuskritik wird kontinental von französischer (die Tradition der „politischen Differenz“ und „des Politischen“) wie von Frankfurter Seite (Honneth, Jaeggi) vorgebracht, genauso wie in der Amerikanischen Debatte um Kommunitarismus (Taylor, Sandel) und einen neuen liberalen Aristotelismus (Nussbaum). Im Mittelpunkt dieser Debatten steht das Verhältnis von Recht und Politik und die Frage, inwieweit individuelle Subjektivität und ‚das Private‘ von einer politischen Theorie einbezogen werden sollte – und welche normativen Ansprüche an und Eingriffe in die Subjektivität der Individuen (beispielsweise durch spezifische politische Bildungsprogramme) notwendig bzw. gerechtfertigt sind. Der Liberalismus wird dafür kritisiert, Subjektivität, Abhängigkeit und Bedürftigkeit durch einen rein negativen Freiheitsbegriff und eine damit zusammenhängende atomistische Sozialontologie auszublenden. Damit versteinere Liberalismus ideologisch die bestehenden Verhältnisse. Neue Aktualität hat diese Debatte in den letzten Jahren durch Christoph Menkes Rechtskritik erfahren, der die Kritik an liberalen subjektiven Rechten radikal formuliert.

Doch stimmt es eigentlich, dass der Liberalismus auf eine rein atomisierende Sozialontologie zurückgreift und Subjektivierung – also die soziale Konstitution von Subjektivität – nicht denken kann oder (aus politischen Gründen) nicht denken will? Und wie überzeugend sind die Konzeptionen von Freiheit und Subjektivität, die von Liberalismuskritiker_innen als eine Alternative präsentiert werden? Im Seminar gehen wir diesen Fragen durch kontrastierende Lektüren ausgewählter Texte des Liberalismus und der Liberalismuskritik nach. Es beginnt mit einem einführenden Teil, in dem wir uns mit dem zentralen systematischen Begriff der Debatte – Freiheit – auseinandersetzen und die Konzepte der negativen, positiven und sozialen Freiheit differenzieren. Der zweite Teil widmet sich der US-amerikanischen Debatte zwischen dem Rawlsschen Liberalismus und der kommunitaristischen Kritik. Im dritten Teil analysieren wir die deutsche Debatte zwischen Habermas Kantianismus und Honneths und Jaeggis Hegelianismus in Hinblick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur US-amerikanischen Debatte. Diese Textauswahl und die Methode des Theorievergleichs bei ähnlichen systematischen Problemen zielt darauf, den Studierenden ein Tiefenverständnis für die hier verhandelten Grundprobleme der politischen Theorie zu vermitteln, das auch bei der eigenständigen Arbeit zu anderen Spielarten der Liberalismuskritik hilft.

Ablaufplan 1. Einführung, 13.05.2020

Teil 1: Freiheitsbegriffe

  1. Negative Freiheit (Berlin), 20.05.2020
  2. Positive Freiheit (Taylor), 27.05.2020
  3. Soziale Freiheit (Neuhouser), 03.06.2020

Teil 2: US-amerikanische Debatte

  1. Rawls universalistischer Liberalismus, 10.06.2020
  2. Rawls politischer Liberalismus, 17.06.2020
  3. Sandels Kommunitarismus, 24.06.2020
  4. Taylors Kommunitarismus, 01.07.2020

Teil 3: Deutsche Debatte

  1. Habermas‘ Kantianismus, 08.07.2020
  2. Habermas‘ Rechtstheorie, 15.07.2020
  3. Honneths Sozialismus, 22.07.2020
  4. Jaeggis Lebensformen, 29.07.2020


Grundlagen der Politischen Theorie, 2020 (Sommersemester / Online)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, BA Politikwissenschaft

Das Seminar führt in die zeitgenössische politische Theorie durch die Lektüre repräsentativer Texte von zentralen Autor_innen ein. Es ist systematisch in zwei Teile gegliedert: liberale Tradition und kritische politische Theorie.

Der erste Teil dient dem Studium zentraler Texte des politischen Liberalismus, der die hegemoniale politische Doktrin in der westlichen Welt ist. Wir lernen hier die normative politische Theorie als einen gesellschaftlichen Selbstverständigungs- und Legitimationsdiskurs kennen und diskutieren unterschiedliche Methoden, um normative Theorien zu begründen. Wir widmen uns dem Freiheitsbegriff (Berlin), der modernen Vertragstheorie (Rawls), den Bedürfnissen und Fähigkeiten von Menschen (Nussbaum), und der Vernunft in der demokratischen Öffentlichkeit (Habermas).

Der zweite Teil ist der kritischen politischen Theorie gewidmet. Hier wird politische Theorie weniger als normative Legitimation des Bestehenden, denn als diagnostizierende Kritik von Gesellschaft und Politik verstanden. Auf die im 19. Jh. aufkommende sozialen Frage reagierend entwickeln die jungen Sozialwissenschaften systematische Ansätze der Analyse und Kritik gesellschaftlicher Missstände. Wir diskutieren die vielfältigen Methoden der Kritik, die historische, ökonomische, epistemologische, soziologische, sozialontologische und psychologische Argumente in die politische Theorie einführen. Die Themen der Kritik sind Kapitalismus (Marx), Subjekt (Freud), Wissenschaft (Horkheimer/Adorno), Macht (Foucault), Liebe und Sexualität (Luhmann) und Kolonialismus/Postkolonialismus (Mbembe). Mit Marx, Freud, Adorno und Horkheimer werden Autoren behandelt, die heute zu den Grundpfeilern kritischer politischer Theorie zählen. Luhmanns und Foucaults scharfe Analysen von sozialen Systemen bzw. dem Wirken von Macht stehen für kritische Methoden, die auskommen, ohne klare normative Positionen formulieren zu müssen, und die in der heutigen politischen Theorie große Verbreitung gefunden haben. Mbembes Analysen des kolonialistischen Denkens führen die Kritik am aufklärerischen Universalismus im Kontext der Globalität fort.

Ablaufplan 1) Einführung, 12.05.2020

Teil 1: Die zeitgenössische Hegemonie des Liberalismus

2) Negative und positive Freiheit: Isaiah Berlins Antipaternalismus, 19.05.20 3) Legitimation der westlichen Demokratie: John Rawls‘ Liberalismus, 26.05.20 4) Menschliche Bedürfnisse und Fähigkeiten: Martha Nussbaums liberaler Aristotelismus, 02.06.20 5) Kommunikative Vernunft und Rechtstaatlichkeit: Jürgen Habermas‘ deliberative Demokratietheorie, 09.06.20

Teil 2: Politische Theorie als Gesellschaftskritik

6) Ausbeutung im Kapitalismus: Karl Marx‘ historischer Materialismus, 16.06.20 7) Entzauberung des Bewusstseins: Sigmund Freuds Psychoanalyse, 23.06.20 8) Die Totalität des Falschen: Adornos und Horkheimers Kritik der Moderne, 30.06.20 9) Liebe im Getriebe der Gesellschaft: Luhmanns Systemtheorie, 07.07.20 10) Die Normierung der Sexualität: Foucaults Machtanalyse, 14.07.20 11) Koloniale Verdammung: Achille Mbembes Postkoloniale Kritik, 21.07.20 12) Besprechung von Hausarbeiten und Feedback, 28.07.20


Foucault als politischer Denker der Gegenwart, 2019/20 (Wintersemester)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, MA Politikwissenschaft

Auch 30 Jahre nach seinem Tod ist Foucault einer der meistzitierten politischen Denker der Gegenwart. Sein Denken hat Thematik und Methodik aller Disziplinen beeinflusst, die sich mit Politik auseinandersetzen. Viele der Foucault’schen Problematisierungen stehen am Grunde aktueller theoretischer Debatten und politischer Kämpfe. Von der Analyse des zeitgenössi-schen Kapitalismus, über die Entwicklung von geschlechtersensiblen Bildungsplänen, die De-batte über Bioethik, bis zur Analyse von rechtspopulistischen „Post-Truth“ Diskursen – Foucaults Denken spielt eine zentrale Rolle. Doch eben weil Foucault’sche Denkfiguren so weit verbreitet sind und gleichermaßen ohne direkten Bezug auf seine Werke ins Repertoire des politischen Denkens eingegangen sind, sind seine Einflüsse in diesen verschiedenen Bereichen oft nicht expliziert. Foucaults Werk liegt nicht nur im Hintergrund von aktuellen politischen De-batten, sondern kann sie auch heute noch neu informieren und korrigieren. Dies kann jedoch nur durch eine Explizierung seiner Bedeutung gelingen. Das Seminar hat das doppelte Ziel, Foucaults Einflüsse auf aktuelle politische Problematisierungen aufzudecken und Korrekturen derselben durch die Rückbesinnung auf Foucault zu entwickeln.

Das Seminar ist als Forschungsseminar angelegt und darauf ausgerichtet, dass die Studieren-den in Gruppen durch eigenständige Recherchen Thesen zur Verbindung von Foucault und ak-tuellen politischen Problematisierungen entwickeln. Um die Grundlage dafür zu schaffen ist der erste, lange Teil des Seminars der Lektüre von zentralen Texten Foucaults gewidmet. In einem zweiten, kürzeren Teil diskutieren wir dann studentische Forschungsprojekte zu einzelnen As-pekten der politischen Aktualität Foucaults, die sie in der Zwischenzeit entwickelt haben. Die in der Sitzung vorgestellten Forschungsprojekte sind das Ergebnis einer Recherche-Teamarbeit während des Semesters und sollen, ähnlich wie ein Forschungsantrag, den Rahmen für Einzel-projekte schaffen, die im Antrag schon konkretisiert sind und die die Studierenden in der vorle-sungsfreien Zeit in ihren Hausarbeiten realisieren.

Ablaufplan
1. Einführung
Teil 1: Foucault lesen
2. Wahnsinn und Gesellschaft
3. Ordnung der Dinge
4. Archäologie des Wissens
5. Ordnung des Diskurses
6. Überwachen und Strafen
7. Überwachen und Strafen
8. Vorlesungen zur Gouvernementalität I
9. Vorlesungen zur Gouvernementalität II
10. Wille zum Wissen
11. Spätwerk zur Antike: Ethik, Ästhetik der Existenz und parrhesia
12. Foucaults Reflexionen seines kritischen Projekts
Teil 2: Forschungsprojekte zu Foucault als politischer Denker der Gegenwart
13. Gruppe Marx
14. Gruppe Nietzsche
15. Gruppe Freud

Als Themen für die Gruppen bieten sich folgende Problemfelder an:
1. “Post-Truth”? Wissensordnungen, Diskurse und Macht
2. Von Rassismus bis Pharmaceutization: Biopolitik
3. Kapitalismus und Menschenführung heute: Disziplinen und Gouvernementalität
4. Der Beginn des Kampfes um den Sex: Saint Foucault und die Queer Theory
5. Aktivismus heute: ein Foucault’scher Blick auf aktuelle Debatten um Rassismus, Anti-semitismus, Islamophobie und Homophobie

Queer and Gay Male Theory (taught in English), 2019/20 (Wintersemester)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, BA Politikwissenschaft

This class is an introduction into queer and gay male theory. We will read classic and canonic texts as well as more recent and innovative works, mostly by U.S. American scholars. The class aims at making students familiar with the central discussions, concepts and problems of queer and gay male theory and enabling them to engage in contemporary debates in the field. While coming from a political and epistemological perspective located in queer studies (roughly understood difference to classical gay and lesbian studies), it puts particular emphasis on gay male subjectivity, sexuality and politics.

The first block, Normalization, covers the foundations of queer thinking: the analysis and cri-tique of normalization of sex and sexuality. The central strategy to deal with this normalization is covered in the second block, Queer Liberation: The critique and queering of categories and the imagining of utopian futures. Contrary to such optimism, other voices covered in the third block pointed out the Negativity of Sex and that to be queer is and should be being anti-social. With the progress of legal and social recognition, the bourgeois lifestyles mainstream gays and lesbians became a central issue of queer critique as well as how counter culture can resist. These debates are covered in the fourth block, Critiques of Homonormativity and Drag as Counterculture. Central to contemporary queer critique is to take the diversity and potential Intersections of social positions into account, and block five covers two major themes of these discussions: trans* and race. The last, sixth block interrogates Sex Today, especially how apps and drugs change male gay urban sex life and how a new and repressive “war on sex” threat-ens the liberal sex culture which is central to queer lives.

NOTE: This class deals with contested issues of sexual politics and questions mainstream gender and sex norms. We will talk about content which is potentially triggering for some, such as sexism, rape culture, racism, homophobia, deviant sex practices, substance use, etc. Please email me before the class starts in case you have any concerns about being triggered or feeling uncomfortable when discussing such issues.

Aktuelle Theorien der Kapitalismuskritik, 2019 (Sommersemester)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, MA Politikwissenschaft

Im Zuge der Finanzkrise Ende der 2000er Jahre und dem Erstarken des Rechtspopulismus in den 2010er Jahren erlebte die kritische Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus in Wissenschaft und Politik ein Revival. Das Seminar dient der Auseinandersetzung mit aktuellen Theorien, die dabei helfen, den Kapitalismus einerseits grundsätzlich in seinem Funktionieren und seiner Krisenhaftigkeit zu verstehen. Und andererseits tragen die Theorien zum besseren Verständnis der aktuellen politischen Situation bei, die durch die rechtspopulistische Gefahr und eine Orientierungslosigkeit der Linken bestimmt ist.

Umstritten ist in linker Politik und Wissenschaft insbesondere das Verhältnis von Identitätspolitik und Kapitalismuskritik. Eine verbreitete These ist, dass der Erfolg von rechtspopulistischen Parteien auch auf einen Fokus von linker Politik auf Identitäts- und Diversitythemen zurückgeführt werden kann: Linke Parteien hätten darüber die ökonomischen Interessen der Arbeitnehmer_innen aus den Augen verloren und durch ihre „political correctness“ beim Engagement gegen verschiedene Diskriminierungsformen Arbeitnehmer_innen zusätzlich entfremdet, sodass sie sich rechten Parteien zuwenden würden. Andere Stimmen sehen schon in einer solchen Argumentation eine rechtspopulistische Grundstruktur, weil sie es erlaube, verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen, beispielsweise ‚deutsche‘ Arbeitnehmer_innen gegen ‚Migrant_innen‘. Linke Politik könne dagegen nur erfolgreich sein, wenn sie auf einer Allianz verschiedener Emanzipationsprojekte beruhe und Kapitalismuskritik mit Identitätspolitik zusammenbringe.

Vor dem Hintergrund solcher Debatten dient das Seminar der Diskussion von Theorien zum Zusammenhang von Kapitalismus und Identitätspolitik einerseits und zu aktuellen Entwicklungen des Kapitalismus andererseits. Nach einem ersten grundlegenden Teil zu Marx‘ Wertkritik widmen wir uns mit Postcolonialism und Racial Capitalism Theorien, die zeigen, dass koloniale und rassistische Ausbeutung die Grundlagen des Kapitalismus bilden. Der dritte Teil dient der Analyse von Sexismus und Heteronormativität als Bedingung kapitalistischer Wirtschaft. Im letzten Teil widmen wir uns durch Analysen der autoritären Grundstruktur des Kapitalismus expliziter dem aktuellen Aufstieg des Rechtspopulismus.

Grundlagen der Politischen Theorie, 2018/2019 (Wintersemester)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, BA Politikwissenschaft

Das Seminar führt in die politische Theorie durch die Lektüre repräsentativer Texte von zentralen Autor_innen ein. Es ist in drei Teile geteilt, die systematisch und historisch geordnet sind. Der erste Teil führt in den zeitgenössischen Stand der normativen politischen Theorie als einem gesellschaftlichen Selbstverständlichungs- und Legitimationsdiskurs ein. Dafür wird mit Rawls ein Autor gelesen, der wie kein anderer für das im globalen Westen hegemoniale liberale Denken steht. Anhand von Rawls soll auch das systematische politiktheoretische Argumentieren nachvollzogen werden.

Der zweite Teil ist ideengeschichtlich und dient dem Nachvollzug von Entwicklungslinien der politischen Theorie, die unser Denken und unsere politische Praxis bis heute prägen. Er ist chronologisch geordnet und führt mit Platon und Aristoteles in zwei antike, und mit Hobbes und Kant in zwei moderne Philosophen und ihr Denken der Politik ein. In der Diskussion dieser Autoren werden auch systematische Probleme der zeitgenössischen normativen politischen Theorie thematisch, wie das Verhältnis von Vernunft, Recht und Politik, das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, und die Bedeutung von bürgerlicher Selbstbestimmung. Damit dient der historische Teil auch dem Verständnis der zeitgenössischen Differenz zwischen Liberalismus und Republikanismus und setzt damit die Reflexion der politischen Theorie der Gegenwart des Einleitungsteils fort.

Der dritte Teil behandelt kritische und diagnostizierende Autor_innen und setzt dabei die begonnene chronologische Ordnung fort. Auf die im 19. Jh. aufkommenden sozialen Frage reagierend entwickeln die jungen Sozialwissenschaften systematische Ansätze der Analyse und Kritik gesellschaftlicher Missstände. Mit Marx, Freud, Adorno und Horkheimer werden Autoren behandelt, die heute zu den Grundpfeilern kritischer politischer Theorie zählen. Luhmanns und Foucaults scharfe Analysen von sozialen Systemen bzw. dem Wirken von Macht stehen für kritische Methoden, die auskommen, ohne klare normative Positionen formulieren zu müssen, und die in der heutigen politischen Theorie große Verbreitung gefunden haben. Die ausgewählten Texte Luhmanns und Foucaults analysieren Liebe und Sexualität als politisches Phänomen. Darauf aufbauend behandelt die letzte Sitzung Butlers queere Kritik an Geschlechterkategorien. An den zunehmenden rechtspopulistischen Attacken gegen die Kritik von Geschlechternormen zeigt sich besonders deutlich die Relevanz der politischen Theorie als Gesellschaftskritik für aktuelle politische Debatten.

Globale Rechtstheorie, 2018/19 (Wintersemester)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, MA Politikwissenschaft

Das Recht ist global geworden. Rechtliche Regulierung findet heutzutage häufig jenseits des Nationalstaats statt und die rechtlichen Akteure haben sich multipliziert: Globale Rechtsregime regeln den Handel und das Internet unter Einfluss von multinationalen Unternehmen, ohne dass Nationalstaaten direkte Kontrolle ausüben könnten; das internationale Menschenrechtsregime wird durch ein komplexes Zusammenspiel von lokalen und internationalen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen fortentwickelt; und in der EU ist ein erheblicher Teil des Rechts europäisiert. Im Gegensatz zum Ideal des Rechts im nationalen Verfassungsstaat mit souveräner Gesetzgebung und einer klaren dogmatischen Norm- und Gerichtshierarchie ist das globale Recht uneinheitlich, fragmentiert und konflikthaft. Das Seminar dient der Diskussion von verschiedenen Ansätzen, die das globale Recht und die damit verbundenen demokratietheoretischen Herausforderungen reflektieren. Der erste Teil des Seminars widmet sich der Analyse der globalen Rechtsordnung in rechtstheoretischen Debatten, wie der systemtheoretischen Beschreibung des Weltrechts, dem Rechtspluralismus und dem globalen Konstitutionalismus. Im zweiten Teil wird das globale Recht aus der Perspektive aktueller kritischer politischer Theorie analysiert. Dabei werden die Hegemonietheorie, der Postkolonialismus sowie Analysen zum aktuellen Wiedererstarken des Nationalismus diskutiert.

Grundlagen der Politischen Theorie, 2018/19 (Wintersemester)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, BA Politikwissenschaft

Das Seminar führt in die politische Theorie durch die Lektüre repräsentativer Texte von zentralen Autor_innen ein. Es ist in drei Teile geteilt, die systematisch und historisch geordnet sind. Der erste Teil führt in den zeitgenössischen Stand der normativen politischen Theorie als einem gesellschaftlichen Selbstverständlichungs- und Legitimationsdiskurs ein. Dafür wird mit Rawls ein Autor gelesen, der wie kein anderer für das im globalen Westen hegemoniale liberale Denken steht. Anhand von Rawls soll auch das systematische politiktheoretische Argumentieren nachvollzogen werden.

Der zweite Teil ist ideengeschichtlich und dient dem Nachvollzug von Entwicklungslinien der politischen Theorie, die unser Denken und unsere politische Praxis bis heute prägen. Er ist chronologisch geordnet und führt mit Platon und Aristoteles in zwei antike, und mit Hobbes und Hegel in zwei moderne Philosophen und ihr Denken der Politik ein. In der Diskussion dieser Autoren werden auch systematische Probleme der zeitgenössischen normativen politischen Theorie thematisch, wie das Verhältnis von Vernunft, Recht und Politik, das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, und die Bedeutung von bürgerlicher Selbstbestimmung. Damit dient der historische Teil auch dem Verständnis der zeitgenössischen Differenz zwischen Liberalismus und Republikanismus und setzt damit die Reflexion der politischen Theorie der Gegenwart des Einleitungsteils fort.

Der dritte Teil behandelt kritische und diagnostizierende Autor_innen und setzt dabei die begonnene chronologische Ordnung fort. Auf die im 19. Jh. aufkommenden sozialen Frage reagierend entwickeln die jungen Sozialwissenschaften systematische Ansätze der Analyse und Kritik gesellschaftlicher Missstände. Mit Marx, Freud und Horkheimer werden Autoren behandelt, die heute zu den Grundpfeilern kritischer politischer Theorie zählen. Luhmanns und Foucaults scharfe Analysen von sozialen Systemen bzw. dem Wirken von Macht stehen für kritische Methoden, die auskommen, ohne klare normative Positionen formulieren zu müssen, und die in der heutigen politischen Theorie große Verbreitung gefunden haben. Das Seminar schließt mit der Kontrastierung von de Beauvoirs Feminismus und Butlers queerer Kritik an Geschlechterkategorien. An den zunehmenden rechtspopulistischen Attacken gegen die Kritik von Geschlechternormen zeigt sich besonders deutlich die Relevanz der politischen Theorie als Gesellschaftskritik für aktuelle politische Debatten.

Radikale Rechtskritik und Migration, 2018 (Sommersemester)

FU Berlin, Lehrauftrag, MA Politikwissenschaft, Otto-Suhr-Institut, Arbeitsbereich Recht und Politik, Blockseminar

Das Recht auf Asyl wird in Europa immer weiter ausgehöhlt, um Migration zu beschränken. Darauf reagieren sowohl die politische Philosophie als auch der politische Aktivismus üblicherweise, indem sie darauf insistieren, dass das Recht auf Asyl ein subjektives Menschenrecht ist und deshalb nicht von der Politik umgangen werden darf. Doch die Stabilität des Migrationsregimes zeigt, dass diese auf Rechten basierende Strategie schlecht funktioniert. Im Seminar sollen deshalb Ansätze der radikalen Rechtskritik, die Recht grundsätzlich als repressiv, anti-emanzipatorisch, depolitisierend oder unsittlich kritisieren, danach befragt werden, ob sie bei der Analyse des Migrationsregimes helfen und eine neue Art der politischen Kritik daran motivieren können, die nicht auf Rechten beruht.

Das Seminar konzentriert sich am ersten Wochenende auf Christoph Menkes Kritik der Rechte (2015). Die Monographie ist die radikalste und umfassendste Kritik des liberalen Konzepts der subjektiven Rechte und hat in der deutschen Debatte eine breite Rezeption erhalten. Menke äußert sich nur in einem Aufsatz direkt zu Migration und Flucht, indem er dieses Problem in seine generelle Liberalismuskritik einordnet. Im Seminar werden dieser Aufsatz und die Monographie unter der Fragestellung gelesen, ob der Liberalismus und dessen Rechtsregime tatsächlich im Kern problematisch sind, oder ob man die Rechtskritik mit dem Einfordern von (bestimmten) subjektiven Rechte verbinden kann bzw. sollte. Die Primärtextlektüre am Freitag liefert die Grundlage, um am Samstag auch anhand von Sekundärliteratur Menkes Rechtskritik auf ihre Einsichten zur Migration hin zu befragen und zu kritisieren.

Am zweiten Wochenende ist der Freitag dem Ansatz der Autonomie der Migration und weiteren aktuellen Studien zu Migration und Recht gewidmet. Die Autonomie der Migration ist eine Kritik an hegemonialer Migrationstheorie, die Migration als ein Objekt von Push- und Pull-Faktoren konzipiert und ihre Steuerbarkeit voraussetzt. Im Gegensatz dazu betont der Ansatz die Eigenständigkeit und Kreativität von Migrant_innen, und konzipiert Steuerungsversuche als Reaktion darauf. Dabei wird ein ambivalentes oder sogar ablehnendes Verhältnis zum Recht empirisch beschrieben oder theoretisch vertreten. Die Beschäftigung mit dem Ansatz dient einerseits dem Versuch, die Perspektive der Migrant_innen einzunehmen und die Bedeutung von Recht in migrantischen Kämpfen nachzuvollziehen. Andererseits geht es um die Frage, ob eine rechtskritische Position durch die Autonomie der Migration von den Wissenschaftler_innen auf die Migrant_innen projiziert wird und ob radikale Rechtskritik ein Privileg ist dieser Wissenschaftler_innen ist. Diese Frage wird am Samstag weiterverfolgt durch die Lektüre von amerikanischen Texten aus den Schulen der Critical Legal Studies (CLS) und der Critical Race Theory (CRT). Das Projekt der CLS ist eine radikale marxistische Rechtskritik, die zwar theoretisch weniger fundamental ist als Menkes Ansatz, aber im radikalen Anspruch ähnlich. CRT kritisiert CLS dafür, durch die radikale Geste der vollständigen Ablehnung des bestehenden Rechtsregimes die kleinen Emanzipationsfortschritte von Nicht-Privilegierten, die in nicht-idealen Kämpfen um das konkrete Recht ausgefochten werden, abzuwerten. Im Seminar soll die These diskutiert werden, dass Menkes Ansatz und auch manche Perspektiven der Autonomie der Migration in derselben Weise problematisch sind, um an einer Position zu arbeiten, die radikale Rechtskritik mit einer differenzierten Sicht auf die konkrete Nützlichkeit von Rechtskämpfen und Rechtsfortschritt zusammen denkt.

Demokratietheorie und Gesellschaftskritik, 2017 (Sommersemester)

Universität Bielefeld, Lehrauftrag, MA Education, Blockseminar

Das Seminar dient der Lektüre von Klassikern der Demokratietheorie und der Gesellschaftskritik. Dabei werden grundlegende Fragen des politischen und zivilgesellschaftlichen Zusammenlebens diskutiert: Was ist die beste Regierungsform? Wieviel Macht sollte die Mehrheit haben? Was ist Freiheit, was ist Gerechtigkeit? Was sind Menschenrechte? Welche Grundprobleme haben unsere spätkapitalistischen Gesellschaften? Was ist Diskriminierung? Was sind die Ursachen für Sexismus, Homo- und Transphobie und Rassismus?

Im ersten Teil werden zwei Extreme des demokratietheoretischen Spektrums kontrastiert: Rousseaus identitäre Demokratietheorie und Schumpeters Elitenmodell. Im zweiten Teil werden erstens grundlegende Texte von Marx als Basis für die kritische Analyse zeitgenössischer kapitalistischer Gesellschaften gelesen, sowie zweitens Grundlagentexte der Gender-, Queer und Rassismuskritik.

Das Seminar ist ein Blockseminar an zwei Wochenenden. Der demokratietheoretische Teil findet am ersten Wochenende statt (Samstag Rousseau, Sonntag Schumpeter) und der gesellschaftskritische am zweiten Wochenende (Samstag Marx, Sonntag Gender-, Queer- und Rassismuskritik).

Umkämpfte Begriffe: Migration, Asyl, (Menschen-)Rechte, 2017 (Sommersemester)

Universität Duisburg-Essen, MA Politikwissenschaft, „Theorien und Vergleich“

Die sogenannte „Flüchtlingskrise“ ist durch Tote im Mittelmeer, unmenschlichen Behandlung von Geflüchteten in Europa und einem Zuwachs an fremdenfeindlicher Gewalt gekennzeichnet. Diese Situation ist nicht zuletzt ein Resultat der Art und Weise, wie die umkämpften Begriffe Asyl, Migration und (Menschen-)Rechte verstanden werden. Die politische Theorie reflektiert diese auch theoretisch umkämpften Begriffe. Das Seminar dient der Auseinandersetzung mit der politiktheoretischen Reflexion, um ein tieferes Verständnis für die politischen, juristischen und moralischen Fragen der Migrations- und Asylpolitik zu erlangen. Nach einer Aufarbeitung der juristischen Situation und normativen Theorien liegt der Schwerpunkt auf der kritisch-konstruktivistischen Analyse von Migrationspolitik aus poststrukturalistischer und systemtheoretischer Perspektive.

Im ersten Teil wird die aktuelle rechtliche und politische Situation analysiert, unter anderem durch die Lektüre der Genfer Flüchtlingskonvention (1951) und des Zusatzprotokolls (1967), der Europäischen Menschenrechtskonvention (1950) und des Grundgesetzes (1949), und der der Regulierung der von Asyl und Migration im aktuellen Europäischen Migrationsregime.

Der zweite Teil des Seminars ist normativen Überlegungen dazu gewidmet, welche Art von Umgang mit dem Thema Migration und Asyl grundsätzlich sinnvoll und angemessen ist. Insbesondere wird dabei die Frage verhandelt, ob nationalstaatliche Grenzen und souveräne Entscheidungen darüber, wer auf das ‚eigene‘ Territorium kommen darf, legitimiert werden können, oder ob es vielmehr grundsätzlich offene Grenzen geben sollte, also ein Recht auf globale Bewegungsfreiheit.

Theorien, die Migrations- und Asylpolitik kritisch und konstruktivistisch reflektieren, ohne dabei normativistisch zu sein, stehen im Fokus des dritten Teils. Zum einen wird die kritische Migrationsforschung behandelt mit einem Schwerpunkt auf dem Ansatz der „Autonomie der Migration“, der in poststrukturalistischer Tradition. Dieser Ansatz wendet sich gegen die Regierung der Migration, in der Migrant_innen nur als passive Objekte von Push- und Pull-Faktoren ohne eigene Stimme vorkommen. Zum anderen zeichnet die systemtheoretische Analyse des aktuellen Menschenrechtsregimes zwischen Recht und Politik ein komplexeres Bild als die normativen Theorien, das trotz der normativen Zurückhaltung der Systemtheorie auch dabei helfen kann, politiktheoretische Kritikinstrumente bezüglich des Migrationsregimes zu reflektieren und zu verbessern.

Neuer Rechtspopulismus im Spiegel von liberaler und radikaler Demokratietheorie, 2016/17 (Wintersemester)

Universität Duisburg-Essen, BA-Lehramt

In vielen Ländern Europas sind rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch und in Wahlen enorm erfolgreich. Das Seminar hat zum Ziel, diesen Erfolg zu verstehen. Es baut auf der These auf, dass nicht etwa kurzzeitige Ereignisse, wie ein Anstieg der Anzahl flüchtender Menschen und daran anschließende rechte Panikmache für den Erfolg der Rechtspopulisten ursächlich sind, sondern das Problem tiefer liegt, nämlich in der Struktur der liberalen und repräsentativen Demokratie. Diese These basiert auf der seit längerer Zeit geäußerten Kritik von radikalen Demokratietheorien an liberalen Demokratietheorien. Das Seminar dient dazu, diese Kritik zu verstehen, wiederum zu kritisieren und weiterzudenken.

Der erste Teil des Seminars dient der Erarbeitung von grundlegenden Kenntnissen über Rechtsextremismus durch die Lektüre von Samuel Salzborns Monographie zum Thema und über antimuslimischen Rassismus unter Rückgriff auf postkoloniale Theorie. Der zweite Teil widmet sich der liberalen Demokratietheorie, erstens anhand ihrer Wurzeln in klassischen Vertragstheorien (Hobbes/Locke) und zweitens in einer aktuellen Spielart am Beispiel von Jürgen Habermas. Der dritte Teil des Seminars ist der Gegenwartsdiagnose von Colin Crouch gewidmet, wir würden in einer zum Spektakel verkommenen Postdemokratie leben. Der vierte Teil wendet sich Chantal Mouffes theoretischer Kritik des Liberalismus zu, er würde den politischen Konflikt ausblenden und so den (Rechts-)Extremismus erst befeuern. Der fünfte und letzte Teil widmet sich der neuen Monographie zum Populismus von Jan-Werner Müller, die auch als differenzierte liberale Antwort auf Mouffe verstanden werden kann.

Umkämpfte Begriffe: Macht, 2016 (Sommersemester)

Universität Duisburg-Essen, MA Politikwissenschaft „Theorien und Vergleich“

Das Seminar untersucht den Begriff der Macht in der Debatte der gegenwärtigen politischen Theorie in vier verschiedenen Denkschulen. Die Schulen werden nacheinander behandelt anhand ihrer wichtigsten Vertreter_innen und dabei systematisch erschlossen und verglichen.

Die erste Denkschule ist die atomistische (Weber, Lovett). Macht wird hier in erster Linie als „Macht-über“ begriffen, die von bestimmten Personen oder Institutionen über andere ausgeübt wird. Die Theoretisierung dieser Art von Macht ist entsprechend meist mit der Legitimation von politischen Institutionen verbunden, durch die sie kontrolliert und kanalisiert werden kann.

Die zweite Denkschule ist die holistische (Foucault, Gramsci, Bourdieu). Macht wird hier als eine sowohl einschränkende als auch ermöglichende Struktur verstanden, die nicht auf einzelne Akteure verrechnet werden kann und die oft unbemerkt Denk- und Verhaltensweisen bestimmt. In diesem Machtbegriff zerfließen die Aspekte des „Macht-über“ und „Macht-zu“.

Die dritte Denkschule ist die kollektivistische (Arendt). Hier steht die strukturell ermöglichende Funktion der Macht im Mittelpunkt. Macht wird als „Macht-zu“ begriffen, die aber nur durch kollektive Zusammenschlüsse erreicht werden kann.

Die vierte Denkschule ist die soziologische Systemtheorie (Luhmann). Macht wird hier als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium verstanden, wodurch sowohl der Aspekt des „Macht-zu“ und des „Macht-über“ thematisch werden kann.

Staats- und Demokratietheorien, 2015/17 (Wintersemester)

Universität Duisburg-Essen, BA-Lehramt

Das Seminar führt in die Grundprobleme der heutigen staats- und demokratietheoretischen Diskussion durch einen historischen und systematischen Zugriff ein.

Die erste Hälfte des Seminars fokussiert die moderne normative Demokratietheorie. Im Mittelpunkt steht die Spannung zwischen Liberalismus und Republikanismus. Die Studierenden sollen ein Verständnis der Grundprobleme der modernen Demokratietheorie erlangen und die systematisch ähnlichen Begriffspaare Recht vs. Politik, Grundrechte vs. Volkssouveränität, Vernunft vs. Macht, Vertrag vs. Gemeinschaft verstehen können. Durch die kontrastierende Lektüre von Montesquieu vs. Rousseau, Kant vs. Hegel, Rawls vs. Arendt soll deutlich werden, dass diese systematischen Spannungen die Diskussion von den Klassikern bis zu den Autoren des 20. Jh. strukturieren.

In der zweiten Hälfte des Seminars stehen konstruktivistische und postfundamentalistische Ansätze im Mittelpunkt, die mit den normativen und ‚alteuropäischen‘ Demokratietheorien brechen. Die Lektüre Luhmanns bietet einen Einstieg in konstruktivistisches bzw. ‚post-modernes‘ Denken und gleichzeitig einen soziologischen Antwortversuch auf die in der ersten Seminarhälfte eingeführte demokratische Spannung zwischen Recht und Politik. Die Lektüre Leforts dient der Einführung in die aktuelle Diskussion um postfundamentalistische Demokratietheorie und ‚das Politische‘. In den letzten Sitzungen findet eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischen radikal-linken demokratietheoretischen Ansätzen statt, die auf dem postfundamentalistischen Denken basieren. Anhand der Lektüre von Rancère, Hardt/Negri und Abensour wird die Frage diskutiert, ob politische Institutionen und Staatlichkeit, die von den in der ersten Hälfte diskutierten Theorien immer schon vorausgesetzt werden, einer ‚wahren‘ Demokratie im Wege stehen.

Introduction to Ethics/Philosophy (PL 431), 2015 (Sommersemester)

Fashion Institute of Technology, New York City, Adjunct Professor, BA-Level

We constantly think about how to treat other people: How egoistic may we act? Which are good principles to follow? Which side shall we take in conflicts about values? Which political groups shall we support? Morality is the system of rules and values according to which we try to answer such questions. Ethics, or moral philosophy, is the philosophical reflection of these questions. This class is an introduction to ethics. We will discuss some of the best moral problems and answers which philosophers developed in the last 2500 years.

Engaging with these philosophers will help students to improve their moral reasoning, to develop more nuanced positions about moral and political questions, to improve their argumentation and discussion skills in general, and to liberate themselves through engaging in critical thinking.

In the first section of the class, after a short introduction to ethics and the art of good argumentation, we will ask whether we should be moral at all, if morality might be based in religion or nature, and how objective moral judgments are. After these general considerations, which belong to the field of ‘meta-ethics’, in the second section of the class we engage with ‘normative ethics’. Normative ethics entails different theories which try to tell us how we should act. We discuss the most important approaches: Virtue ethics, consequentialism, deontology, contractualism, and feminist ethics. We are going to apply these theories to contemporary moral concerns, such as abortion, euthanasia, and poverty. In the third section of the class, we deal with different challenges for ethics. First, we discuss pluralism and cultural relativism, and how some answers to these challenges might be found in political theory. Second, we discuss ideology critique and genealogical critique, which show us how deeply we are dependent on social norms, and we discuss how these insights are ethically applied in the contemporary discussions about queer theory, critique of racism, and critique of neoliberalism.

This course allows students to: 1. Read philosophical texts systematically. This includes identifying and analyzing the arguments in a text and engaging in a basic internal critique of the arguments. It also includes writing excerpts of texts. 2. Engage in discussions about moral questions using philosophical arguments and criticize one another’s arguments by an analysis of their structure. This includes separating well-reasoned arguments from mere opinions. 3. Become familiar with the most crucial problems of moral philosophy, the most dominant ethical theories, and of some fundamental problems of political theory. 4. Critically reflect upon their own believes about norms and values. 5. Write a philosophical essay using sound argumentation. 6. Improve their presentation techniques.

Liebe und Gesellschaft, 2013 (Sommersemester)

Leuphana Universität Lüneburg, Lehrauftrag, BA Komplementärstudium, Blockseminar, Teamteaching mit Hannes Glück

Liebe – eines der wichtigsten Themen des Lebens – verstehen wir meist als etwas sehr Privates und Intimes, vielleicht auch Schicksalhaftes, das nur etwas mit den Liebenden selbst zu tun hat. Im Seminar fragen wir dagegen: Was hat Liebe (und Sexualität) mit der Gesellschaft zu tun? Die Frage behandeln wir aus drei unterschiedlichen Traditionslinien der Gesellschaftstheorie und führen dabei in deren zentrale Denkfiguren und Argumentationsmuster ein: Systemtheorie, Kritische Theorie und Poststrukturalismus.

  1. Systemtheorie: Am Beispiel Niklas Luhmanns „Liebe als Passion“ nähern wir uns der gesellschaftstheoretischen Perspektive auf Liebe, die von unserem Alltagsverständnis abweicht. Alltäglich wird Liebe als Gefühl verstanden, während Luhmann sie als eine bestimmte genormte Art zu kommunizieren (wie Geld oder Macht) beschreibt, die spezifische gesellschaftliche Funktionen erfüllt. An Luhmanns Beschreibung der historischen Wandlung der Vorstellungen über Liebe lernen wir eine grundsätzliche Denkfigur der Gesellschaftstheorie kennen: die Geschichtlichkeit unserer Denk- und Handlungsweisen.

  2. Kritische Theorie: Eva Illouz untersucht in „Gefühle in Zeiten des Kapitalismus“ wie wir durch die Psychologie und insbesondere die Psychoanalyse lernen, unsere Gefühle zu rationalisieren und über sie zu reden – und was das mit Kapitalismus zu tun hat. Anhand ihrer Kritik der psychologisch-kapitalistischen Rationalisierung unseres Gefühls- und Liebeslebens werden wir die Frage nach den normativen Maßstäben von Gesellschaftskritik diskutieren.

  3. Poststrukturalismus: Die queer studies (Judith Butler, uvm.) kritisieren die „heteronormative Matrix“, die LSBTIQ*-Lebensweisen diskriminiert und uns auf romantische Zweierbeziehungen festlegt. Wir beschäftigen uns mit aktuellen queeren Texten und Debatten, anhand derer wir zentrale Konzepte der Gesellschaftskritik kennenlernen, wie gesellschaftliche Normierung und Macht.